Herbstwerken

Herbstwerken

Als wir am Freitagabend ankommen, steht vor der Scheune schon die Hofjurte – eine faszinierende Konstruktion mit einem Holzrahmen, durch den kein Abspannen nötig ist. Heringe würde man hier halt auch nicht in den Boden bekommen. Wir sind genau pünktlich zum Abendessen und lassen uns eine köstliche Kürbissuppe schmecken. Die dabei entstehende gefräßige Stille nutzt mostl auch gleich, um ein paar Worte zur Orga zur sagen. Es hängen schon Listen aus, um sich für Küchendienste und Putzaufgaben einzuteilen. Wer schnell ist, muss kein Frühstück machen. Die Einteilung in Gilden hat dafür im Onlineformular nicht so problemlos funktioniert, daher wird das für die Morgenrunde am nächsten Tag angesetzt. Nach dem Essen richten wir unseren Schlafplatz. Da einige der Gruppen sich pflichtbewusst ihre Kothen auf der Wiese aufgebaut haben, gibt es für uns noch Platz im Neubau (dafür wird dort geschnarcht…). Der Abend verklingt in gemütlicher Runde in der Scheune, mit ein paar Liedern und der ein oder anderen neuen Bekanntschaft.

Nach einer etwas unbequemen Nacht (ich lag ungeschickterweise neben anstatt auf der Isomatte) finden wir uns samstags um 8 zum Frühstück zusammen. In der Morgenrunde danach stellen die Gildenmeister*innen ihre Projekte vor und wir teilen uns auf. Schon um 9 finde ich mich vor der Töpferei mit einem Klotz Ton in der Hand wieder und lerne, daraus einen Becher zu erschaffen. Bis es Zeit wird, das Mittagessen vorzubereiten, steht er fertig im Regal und wartet darauf, hoffentlich bald in den Ofen wandern zu dürfen. Inzwischen ist auch mein zweites Stück, eine große Schüssel mit dekorativen Sternen, fortgeschritten und darf jetzt für ein paar Stunden vor dem Kamin antrocknen. Ich nutze die Zeit für einen kleinen Spaziergang über den Hof. Gleich neben uns in der Scheune entstehen aus getrockneten Flaschenkürbissen wunderschöne Lampen mit kreativen Lochmustern, in der Werkstatt werden aufwendige Laternen aus alten Glasflaschen, Holz und Messing gebaut. Aus der Schmiede dröhnt Metall auf Metall, während Kerzenhalter und Messer Form annehmen. In der Schreinerei entstehen hingegen für schon bestehende Messerklingen Griffe aus Holz und Horn. Ich denke an mein ganz ähnlich aussehendes, das seit dem Herbstwerken vor ein paar Jahren noch auf eine Hülle wartet. Vielleicht ein Projekt fürs nächste Mal. Im Hof wird nebenbei mit viel Körpereinsatz der Saft aus Äpfeln und Birnen gepresst, den wir ganz frisch zum Mittagessen trinken.

Nachdem alle satt sind und wir in der Küche wieder Ordnung geschafft haben, gehe ich mir im Neubau ein Fahrten-Geschirrtuch bestempeln. Dort stehen auch die Seifen, die am Vormittag gesiedet wurden und am Tisch nebendran werden vielfältige Bänder aus Paracord geknotet. Zwei bunt gestempelte Handtücher später gibt es frisch gebackenen Apfel- und Käsekuchen. Danach gehe ich wieder zum Töpfern und gebe meiner Schüssel die letzten Schönheitskorrekturen. Weil es einfach soviel Spaß macht und ich noch ein wenig mehr üben will, stelle ich danach noch eine kleinere Schüssel und einen zweiten Becher her (und vergesse dabei nur einen Arbeitsschritt – das Brennen wird zeigen, ob er überlebt). Zum Abendessen haben sich Pieps und Tobi nicht lumpen lassen und servieren frisch frittierte Pommes und Burger. Die Grünkernbratlinge, an denen sie den halben Nachmittag saßen, sind so gut, dass ich gleich zwei verdrücke. Später entsteht draußen am Feuer eine kleine Singerunde, die sich bald in die Bankschreinerei verlagert. Hier ist die Akustik einfach schön und man sieht die Liedtexte etwas besser. Allzu lange wird der Abend für viele von uns trotzdem nicht, wir sind angenehm platt vom Werken und genießen es, uns in die Schlafsäcke fallen zu lassen.

Der Sonntagvormittag widmet sich wie gewohnt dem Aufräumen und Putzen, bevor wir uns verabschieden und wieder in alle Himmelsrichtungen verstreuen. Was wir mitnehmen, sind neue Freundschaften und Lieder, Werkstücke und in Raphis Fall eine Erkältung. Was will man machen… Es war ein sehr schönes und produktives Wochenende und auf der Heimfahrt freue ich mich schon auf das Maiwerken im kommenden Jahr.