Unser geliebter Handwerkerhof entpuppte sich an diesem Wochenende zu einem wahren Multitool! Er vermochte die unterschiedlichsten Gruppierungen unter seinen Dächern zu vereinen, ohne dass diese sich gegenseitig störten – aber auch ohne dass die Gruppen sich voneinander abgegrenzt  oder aus den Augen verloren hätten.

Ab dem späten Nachmittag des Freitag erreichen die unterschiedlichen Protagonisten den Selbacher Hof. Dort suchte sich dann jeder seine „Fachgruppe“. Derer gab es folgende: musisches Wochenende der Freischar, Versand des Hofheftes, Bierbrauen, Kreativitätsgruppe Heizungssteuerung, Kleinholzteam, Taskforce Sanitärartrakt Neubau, Hedonistenvereinigung Küche, Spontantruppe Reparaturarbeiten, Kassenprüfung.

Alle zusammen genossen eine vorzügliche Erbsensuppe und sich daran anschließende Singerunde.

Nach dem samstäglichen Frühstück ging es dann richtig ans Werk und die knapp 40 Menschen verteilten sich in Ihre Neigungsbereiche.

Den Chronisten selbst zog es zum Bierbrauen und er hofft, keine Fehlbitte zu tun, wenn er die Vernachlässigung der anderen Themenfelder entschuldigen möchte. Braumeister Markus Mann hatte keine Mühen gescheut und professionelles Equipment auf den Hof gebracht. Gleich zu Anfang kam seine Warnung, dass das Brauen des Bieres acht bis neuen Stunden beanspruchen würde (für 40 Liter Gerstensaft!!). Das konnte uns dennoch nicht abschrecken und das Procedere begann mit dem Schroten der gemälzten Gerste. Diese wurde dann unter exaktester Temperatur- und Zeitplanführung in Wasser erhitzt (Maische) und permanent mit dem Maischepaddel gerührt. Hierbei wird die Stärke der Gerste in Zucker umgewandelt. Nach diesem Arbeitsschritt füllten wir die Maische in einen Läuterbottich, um die Flüssigkeit (Würze) von den Feststoffen (Treber) zu trennen. Der Würze setzten wir nun Hopfen zu und ließen die grünlich trübe Flüssigkeit längere Zeit köcheln. Dabei fielen unter anderem Eiweißstoffe aus (Trub), die im Anschluss wieder abgetrennt werden mussten. Diese schon wieder deutlich klarere Flüssigkeit wurde mit Hefe versetzt in einen Gärbottich gefüllt (nun spricht man erstmals von Bier), wo in den nächsten zwei Wochen der Zucker in Alkohol umwandelt werden wird. Anschließend werden wir etwas Zucker zugeben und das Bier zur vierwöchigen Reifung in Flaschen abfüllen. Die im Bier befindliche Resthefe verwandelt den neu zugegebenen Zucker in Alkohol und das dabei entstehende CO2 sorgt für ein prickelndes Getränk.

Der Leser bleibt vor weiteren Ausführungen, beispielsweise über Alpha- und Beta-Amylasen, Läuterkurven, Refraktometermessungen, verschiedensten Würzearten und dergleichen verschont. Gleichwohl sind all diese Dinge zum Brauen eines wohlschmeckenden und bekömmlichen Bieres von Nöten und heben diesen handwerklichen Prozess fast in akademische Höhen. Unser Verständnis für den Gerstensaft hat sich stark gewandelt und wir werden zukünftig das Glas respektvoll-kundig an die Lippen führen.

Nicht nur unser Tagewerk wurde durch die geliebten Unterbrechungen behufs Ernährung aufgelockert. Suppen, Vesper, Kaffee, Tee, frischer Kuchen, Lasagne, Salate, Früchtequark und vieles mehr verließen das gemauerte Geviert namens Küche. Es wurde also die gewohnte Mischung aus Genuss und Arbeit geboten.

Nach dem Abendessen musste sich der Aufenthaltsraum einen Umbau zur Gesangslokation gefallen lassen und hörte bis in die Nacht so manches Lied.

Dem sonnigen Sonntag blieb das Übliche vorbehalten: Frühstück, Großputz und Heimfahrt.

Ein herzlichen Dankeschön an alle Mitwirkenden und Helfer, Unterstützer und Organisatoren. Denn solch bunte Wochenenden sind es, die das Hofleben ausmachen. Handwerken, schlemmen, arbeiten, feiern, Neues lernen, „Neue“ kennenlernen…

Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich vom 15. bis 17. März an unserem traditionellen Holzwochenende samt Bauhütte. Seid willkommen!

Rhesus

Bauhütte 22. – 24. 02.2019

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