Genuss pur! – so lässt sich dieses Wochenende überschreiben.
Die Weihnachtsbauhütte der letzten Jahre waren prall angefüllt mit harter Arbeit und daraus resultierenden müden Abenden. Ein Blick in die jüngere Historie des Hofes zeigt aber, dass die letzte Veranstaltung des Jahres gewissermaßen eine Belohnung für die Hofgemeinschaft war. Ergo wurde an diesem Wochenende traditionell gefeiert – sich selbst, die gemeisterten Aufgaben, der Abschluss des Jahres an sich. Nach hartnäckigem Insistieren (auch des Autors) sollte diese Tradition wieder aufleben – mit Erfolg!
Schon am Freitag Abend ließ sich das deutlich ablesen. Die Küche als zentraler Versammlungspunkt war gut gefüllt. Nach kurzem Kriegsrat und der Besinnung auf die hedonistische Ausrichtung des Wochenendes wurde das Ansinnen der Selbstversorgung kurzerhand verworfen, und man begab sich zum Italiener des Nachbarortes. Dort labten wir uns an den mediterranen Genüssen, die Küche und Keller zu bieten hatten. Zurück auf dem Hof, verbrachten wir bei zunehmendem personellen Zulauf einen gemütlichen Abend bei guten Gesprächen, spaßigen Bonmots und natürlich auch weiteren „amuses gueules“.

Am Samstag lagen wir länger als gewohnt in den Tüten. Denn das Frühstück ward zum Brunch und somit ein früher Beginn strengstens untersagt. Gegen zehn Uhr bogen sich die Tische in der Guten Stube unter den warmen und kalten Köstlichkeiten: Rührei, Bacon, Bratwürstchen, Frikadellen, Garnelen, Wurst- und Käseplatten, Antipasti, Brötchen, Brote, Croissants, Kuchen, Kekse, süße und salzige Brotaufstriche, Obst, Rohkost, Orangensaft, Sekt … Die Liste ließe sich weidlich verlängern. Um die Mittagszeit war auch der tapferste aller Gastro-Recken ermattet und man beschloss, die Lebensmittel einfach nach nebenan in die kühle „Dritte Welt“ zu schaffen – um immer mal wieder ein kleines Häppchen einwerfen zu können, sollte das Völlegefühl nachlassen.
Nun bahnte sich ein Skandal an: Es wurde wahrhaftig und tatsächlich das böse Wort „Arbeit“ in den Mund genommen!! Getreu der klassischen Konditionierung nach Pawlow setzte sich unweigerlich ein Gutteil der Hofmannschaft in Bewegung, um kleinere Aufgaben zu erfüllen. Allerdings zeigte sich der antrainierte Bewegungsdrang als sehr temporär. Denn zur früh angesetzten Kaffeezeit fanden sich wieder alle an den Tischen der Guten Stube ein. Neben allerlei Keksen, Gebäckstücken und Kuchen wurde heiße Schokolade, Tee und Kaffee kredenzt. Anschließend wartete ein weiterer angenehmer Programmpunkt: Ein einstündiger Dokumentarfilm über die berühmten Messer aus Laguiole in Frankreich. In dieser Doku fanden sich allerlei angenehmen Dinge, die auf dem Handwerkerhof ebenfalls geschätzt werden: schöne Messer, Handwerkskunst, Ästhetik, Schmieden, feine Weine, savoir-vivre… Kein Wunder also, dass immer wieder ein gut gefülltes Gläschen in unserer Runde zum anerkennenden „Prosit“ erhoben wurde.
Nach diesem cineastischen Hochgenuss wurde die verbleibende Zeit bis zum Galadinner unterschiedlich genutzt. Die Einen zogen sich zur „Bauleitersitzung“ (Fachterminus für „Mittagsschlaf“) zurück, die Anderen bereiteten das Abendessen vor, weitere erledigten trotz strengster Verbote kleinere Erhaltungsarbeiten. Aber auch diese harte Zeit bar jeglicher Genüsse ging vorüber und das Abendessen mit Entenbrust, Rotkraut und Spätzle, korrespondierenden Weinen und lecker-leichtem Dessert wartete auf die Hofgemeinschaft.
Nach dem köstlichen Schmause war der Abwasch schnell erledigt, die Füße fanden nun automatisch wieder den Weg in den ersten Stock und es schloss sich eine ausgelassene, fröhliche und ausdauernde Singerunde an (das ein oder andere musiktheoretische Experiment mit höchst interessanten Ergebnissen sei hier nur am Rande erwähnt). Ob der dabei genossenen Getränke darf der geneigte Leser die eigene Fantasie bemühen!

Auch am Sonntag machte das Frühstück seinem Namen keine Ehre und erwies sich als kleines Pendant zum Samstag. Wir blieben im Anschluss gemütlich sitzen und führten noch angeregte Unterhaltungen. Bis dann eben doch der unvermeidliche Aufbruch kam und uns der Alltag mit Aufräumen und Putzen wieder hatte.

Wem dies alles nun viel zu anstrengend erscheint, der sei auf den 22. bis 24. Februar 2019 verwiesen. Dort wartet dann wieder die normale Arbeit der Bauhütte. Um den Übergang nicht zu abrupt zu gestalten, wollen wir uns allerdings auch als Bierbrauer versuchen. Sei einfach dabei!
Rhesus

Weihnachtsbauhütte 07. – 09. 12.2018

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